Flyableday · Thermikkarte

Wind beim Gleitschirmfliegen: Bodenwind, Böen, Talwind und Föhn

Andreas Schachinger · Stand · 2 Min. Lesezeit

Wie viel Wind ist zu viel? Bodenwind, Böen, Höhenwind, Talwind und Föhn verständlich erklärt — mit Faustregeln für Start, Flug und Landung.

Gleitschirme fliegen mit rund 35–40 km/h Trimmgeschwindigkeit. Jeder Wind, der dieser Geschwindigkeit nahekommt, frisst den Spielraum auf. Deshalb ist Wind die erste Frage jeder Flugplanung — noch vor der Thermik.

Bodenwind und Böen

Der Bodenwind ist der Mittelwind in 10 m Höhe. Die Böen sind die Spitzen darin. Entscheidend ist nicht nur die Spitze, sondern der Abstand: Liegen die Böen weit über dem Mittelwind, ist die Luft turbulent — auch wenn der Mittelwind harmlos aussieht. Ein Unterschied von mehr als etwa 15 km/h ist ein deutliches Warnzeichen.

Die Thermikkarte bewertet Startplätze standardmäßig bis rund 29 km/h Mittelwind und 40 km/h Böen als möglich, etwas darüber als grenzwertig. Das sind Obergrenzen für erfahrene Piloten, keine Empfehlung. Für Einsteiger und Genussflieger liegt die eigene Grenze deutlich tiefer — oft bei 15–20 km/h.

Windrichtung und Startsektor

Jeder Startplatz ist für bestimmte Richtungen freigegeben. In der Karte zeigen Startsektoren diese Richtungen als Fächer, die Windpfeile den prognostizierten Wind. Passt der Pfeil in den Fächer, passt die Richtung. Schräg anströmender Wind ist am Start unangenehm und hinter Geländekanten oft turbulent.

Höhenwind: der Wind, den man am Start nicht spürt

Am Startplatz kann es fast windstill sein, während es auf Kammhöhe mit 40 km/h bläst. Typisch bei Westwetterlagen. Die Folgen: zerrissene Bärte, Lee-Turbulenz hinter Graten und ein Gegenwind, gegen den du kaum vorankommst. Prüf deshalb im Meteogramm die Windfahnen über dem Start, nicht nur den Bodenwind.

Talwind: der Nachmittagswind im Gebirge

An sonnigen Tagen strömt Luft vom Flachland in die Alpentäler hinein und an den Hängen hinauf. Dieser Talwind setzt am späten Vormittag ein und kann in großen Tälern am Nachmittag kräftig werden. Er ist kein Modellfehler — er ist zu kleinräumig für die meisten Modelle. Für die Landung heißt das: früh landen oder einen Landeplatz wählen, der gegen den Talwind angeflogen wird.

Föhn: kein Flugtag

Föhn entsteht, wenn Luft über den Alpenhauptkamm strömt und auf der Leeseite als warmer, trockener, böiger Fallwind ins Tal stürzt. Anzeichen:

Föhn kann an einzelnen Startplätzen trügerisch ruhig wirken und Minuten später durchbrechen. Bei Föhnlage gilt: nicht fliegen.

Lee und Rotoren

Hinter jedem Hindernis — Grat, Gipfel, Waldkante, Gebäude — bildet sich bei Wind eine turbulente Zone. Faustregel: Lee reicht etwa das Fünf- bis Zehnfache der Hindernishöhe in Windrichtung. Vor dem Flug klären: Wo liegt das Lee bei dieser Windrichtung, und führt meine Route oder mein Landeanflug hindurch?

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