Lufträume für Gleitschirm- und Drachenflieger: ein Überblick
Kontrollzonen, Luftraumklassen, Flugbeschränkungsgebiete und Höhenangaben in Fuß und Flight Level — was Gleitschirm- und Drachenflieger vor dem Streckenflug wissen müssen.
Wer nur am Hausberg kreist, kommt selten mit Lufträumen in Berührung. Wer auf Strecke geht oder hoch steigt, schon. Dieser Überblick erklärt die Grundbegriffe — die verbindlichen Regeln stehen in den Luftfahrtkarten, im Luftfahrthandbuch (AIP) deines Landes und bei deinem Verband (z. B. ÖAeC oder DHV).
Kontrollierte und unkontrollierte Lufträume
Lufträume sind in Klassen von A bis G eingeteilt. Für Gleitschirm- und Drachenflieger zählt vor allem:
- Klasse G — unkontrolliert, meist bodennah. Hier fliegen wir normalerweise.
- Klasse E — kontrolliert, in vielen Ländern unter Einhaltung der Sichtflugregeln (Wolkenabstände, Flugsicht) ohne Freigabe befliegbar. Die Details regeln die nationalen Vorschriften.
- Klassen C und D — nur mit Freigabe der Flugverkehrskontrolle. Für Gleitschirme in der Praxis tabu.
Typische Gebiete auf der Karte
- CTR (Kontrollzone) — um Flughäfen, reicht vom Boden nach oben. Nicht einfliegen.
- TMA — Nahverkehrsbereich über und um eine CTR, beginnt erst in einer gewissen Höhe. Die Untergrenze ist hier entscheidend.
- Flugbeschränkungs- und Sperrgebiete — z. B. über militärischen Anlagen. Einflug verboten oder nur zu bestimmten Zeiten erlaubt.
- Gefahrengebiete — Schießplätze oder Ähnliches; Einflug auf eigene Gefahr bzw. nach Aktivierungsstatus.
- Segelflug- und Sonderbereiche — zeitweise für bestimmte Nutzer geöffnet.
Höhenangaben richtig lesen
Luftraumgrenzen werden in Fuß angegeben, in drei verschiedenen Bezügen:
- ft GND / AGL — über Grund. Folgt dem Gelände: über einem Gipfel liegt die Grenze höher als über dem Tal.
- ft MSL / AMSL — über dem mittleren Meeresspiegel, also wie die Höhenangabe deines GPS-Varios.
- FL (Flight Level) — Druckhöhe in Hunderten Fuß bei Standarddruck (1013,25 hPa). FL 95 ≈ 9500 ft ≈ 2900 m — aber nur bei Standarddruck; bei tiefem Luftdruck liegt die Grenze real tiefer.
Merkhilfe: 1000 ft ≈ 305 m. Plane mit Reserve und fliege nie direkt an einer Grenze entlang.
Lufträume in der Thermikkarte
Schalte „Lufträume“ ein. Mit „unter“ blendest du nur Lufträume ein, deren Untergrenze unterhalb einer gewählten Höhe liegt — also die, die dich in deiner Arbeitshöhe tatsächlich betreffen. Eingefärbt wird standardmäßig nach Zutritt. Fährst du mit dem Zeiger über einen Luftraum, nennt die Werteanzeige seinen Namen und seine Grenzen.
Wichtig: Die Darstellung ist eine Planungshilfe aus amtlichen Daten, aber keine Navigationsgrundlage. Für den Flug gehört eine aktuelle Luftraumdatenbank ins Fluginstrument, und vor dem Start ein Blick in die NOTAMs — zeitweise Sperrungen (Militärübungen, Veranstaltungen, Rettungseinsätze) sind in keiner statischen Karte enthalten.