Flyableday · Thermikkarte

Thermikvorhersage lesen: Arbeitshöhe, Steigen und Wolkenbasis

Andreas Schachinger · Stand · 2 Min. Lesezeit

Was Thermikhöhe, Wolkenbasis, nutzbare Arbeitshöhe und Steigen (w*) bedeuten — und wie du daraus abschätzt, ob ein Tag zum Gleitschirm- oder Drachenfliegen taugt.

Eine Thermikvorhersage beantwortet drei Fragen: Wie hoch komme ich, wie kräftig steigt es und wann geht es los? Dafür gibt es vier Kennzahlen, die in der Thermikkarte als eigene Ebenen unter „Wetter einblenden → Thermik“ liegen.

Thermikhöhe: wie weit die Thermik reicht

Die Sonne heizt den Boden, der Boden die Luft darüber. Diese erwärmte Schicht — die konvektive Grenzschicht — wächst im Lauf des Vormittags nach oben, bis sie an einer stabilen Schicht (Inversion) anstößt. Ihre Obergrenze ist die Thermikhöhe. Darüber trägt nichts mehr; Bärte werden oben schwächer und zerfasern.

Wolkenbasis: wo der Cumulus beginnt

Steigt feuchte Luft auf, kühlt sie ab, bis ihr Wasserdampf kondensiert. Diese Höhe ist die Wolkenbasis. Liegt sie unter der Thermikhöhe, bilden sich Quellwolken — die schönsten Wegweiser zum nächsten Bart. Liegt sie darüber, ist es ein Blauthermik-Tag: Thermik ist da, aber unsichtbar.

Nutzbare Arbeitshöhe: die Zahl für die Planung

Für Piloten zählt das, was kleiner ist: die Thermikhöhe oder die Wolkenbasis — in die Wolke steigt man nicht. Die Karte zeigt das als nutzbare Arbeitshöhe über Grund. Als grobe Orientierung:

Wichtig ist der Bezug: „über Grund“ heißt über dem Modellgelände. Über einem Gipfel bleibt weniger, über einem tiefen Tal mehr. Im Meteogramm eines Startplatzes siehst du die Arbeitshöhe deshalb zusätzlich in Meter über Meer.

Steigen (w*): wie kräftig die Bärte sind

w* ist die mittlere Aufwindgeschwindigkeit in der Grenzschicht. Dein Variometer zeigt im Kern mehr, am Rand weniger — und dein Gerät sinkt selbst mit etwa 1 m/s. Faustregel für das, was übrig bleibt:

Wann geht es los?

Thermik braucht Zeit. Meist reicht sie zwei bis drei Stunden nach Sonnenaufgang für erste Starts, ihren Höhepunkt erreicht sie am frühen Nachmittag. Zieh in der Karte den Zeitregler über den Tag oder drück ▶: Du siehst, wie die Arbeitshöhe wächst — und ob am Nachmittag Gewitterrisiko oder Abschattung durch Bewölkung dazukommen.

Grenzen des Modells

ICON-D2 rechnet auf einem 2,2-km-Raster. Ein Kamm, ein sonniger Südhang oder ein schattiges Seitental sind darin geglättet. Nimm die Zahlen als Großwetterlage für die Region, nicht als Versprechen für deinen Hang — und vergleiche sie mit dem, was du am Himmel siehst: Wo Cumulus steht, steht die Basis.

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